Hochsensibilität – eine Diagnose?!

Hochsensibilität – eine Diagnose?!

02.05.2022 | 0 Kommentare

In Deutschland erkranken jährlich ca. 27% der Menschen an einer psychischen Störung.

Schätzungen zufolge sind ca. 20% der Menschen hochsensibel.

Wenn Hochsensibilität eine Diagnose ist … ist sie die häufigste psychische Erkrankung in Deutschland!

Nur im Vergleich …

  • Angststörungen betreffen, nach Psychiatrienetz,
    14 % also ca. 11,6 Mio. Menschen
  • Depressionen betreffen, nach der Stiftung Deutsche Depressionshilfe,
    8,5 % also ca. 5,3 Mio. Menschen
  • Suchtkranke bzgl. Alkohol betreffen, nach Bundesministerium für Gesundheit,
    2% also ca. 1,6 Mio. Menschen

Die Diagnose „hochsensibel“ würde dann ca. 16,6 Millionen Menschen betreffen.

Ist Hochsensibilität eine Diagnose?  – Welcher Wunsch steckt hinter dieser Frage?

Ist Hochsensibilität eine Diagnose? Das ist wohl eine der häufigsten Fragen, die wir im Kontext der Hochsensibilität bereits gehört haben.

Die Menschen, die sich diese Frage stellen, haben sich meist schon mit dem Thema der Hochsensibilität beschäftigt. Sie empfinden sich selbst als hochsensibel oder sie kennen jemanden mit einer erhöhten Sensibilität.

Hinter der Frage: „Ist Hochsensibilität eine Diagnose?“ steckt der Drang sich oder sein Gegenüber zu verstehen.

Im Grunde geht es darum, im eigenen Umfeld sich nicht richtig zu fühlen. Sich als etwas Besonderes wahrzunehmen, nicht zur Norm zu gehören oder sich selbst oder das Gegenüber mit einer erhöhten Sensibilität als unnormal zu empfinden.

Der Wunsch einer Zuordnung ist immens groß.

Ok, ich passe nicht in die Norm! Die Anderen fühlen, denken und handeln ganz anders als ich. Sie nehmen Gerüche, Geräusche, Gefühle und Energien nicht oder nicht so stark wahr wie ich.

Dann muss doch was mit MIR nicht stimmen.

Es muss doch eine Diagnose und damit eine Erklärung für meine Gefühle oder das seltsame Verhalten meines Gegenübers geben.

Eine Diagnose, die dazu führt, eine Behandlung zu bekommen. Eine Behandlung die endlich „gesund“ macht!

Diagnose hochsensibel? – Die Suche nach einer Kategorisierung

Bitte endlich eine Erklärung! Am besten eine Diagnose! “Diagnose hochsensibel“!

Die Suche nach einer Diagnose ist die verzweifelte Suche von hypersensiblen Menschen nach einer Kategorisierung.

Auf diese Suche gehen nicht nur Betroffene selbst, sondern auch Angehörige. Selbst ÄrztInnen, PsychotherapeutInnen und alle, die in Berufsfeldern arbeiten, suchen DIE Diagnose für hochsensible Menschen mit Symptomen.

Diagnosen sind wichtig! Diagnosen sind allgemein gültige Beschreibungen von Krankheiten jeglicher Art. Sie wurden durch Studien und wissenschaftliche Erkenntnisse entwickelt. Mit dem Ziel, Menschen die bestmöglichste Behandlung zukommen zu lassen, damit sie wieder gesund werden.

Jedoch macht es die Individualität und die Symptomvielfalt der Hochsensiblen schwer eine Diagnose zu finden…

Hochsensibilität – Symptome und Anzeichen

Hier eine kurze Auflistung möglicher Symptome, die hochsensible Menschen entwickeln können.

Uns ist total wichtig, dass du diese Auflistung nicht als „wahrhaftig“ und „allgemeingültig“ nimmst. All diese Symptome können auch andere Ursachen haben.

Die Liste zeigt die häufig auftretenden Symptome und könnte noch weiter ergänzt werden.

  • belastender Perfektionismus
  • frühere Überforderung – gestresst sein
  • Neigung zu Stresskrankheiten
  • hohe Selbstzweifel
  • Gefühl von Wertlosigkeit
  • fehlende Konzentrationsfähigkeit
  • Impulsivität
  • Gefühlsausbrüche
  • Depressionen
  • Angstzustände
  • Rückenschmerzen
  • Migräne
  • Zähneknirschen (tags und nachts)
  • soziale Ängste
  • Vermeidung von Sozialkontakten
  • Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern
  • mögliche Schulangst

Diese Symptome treffen insbesondere die hypersensiblen Menschen, welche noch nicht den für sie richtigen Umgang mit ihrer Hochsensibilität gefunden haben.

Fragst du dich gerade was der Unterschied zwischen hypersensiblen Menschen und hochsensiblen Menschen ist? Es gibt keinen! Es ist einfach nur eine andere Formulierung. 😊

Entstehung der Symptome hochsensibler Menschen

Die unerwünschten und unangenehmen Symptome entstehen durch eine Überstimulation.

Das bedeutet, die eigenen Grenzen wurden nicht eingehalten und ernst genommen. Der Körper und die Psyche reagieren darauf mit den unterschiedlichsten körperlichen und seelischen Krankheitszeichen.

Merkmale hochsensibler Menschen

Die Persönlichkeitsmerkmale machen deutlich, warum Hypersensible schneller überreizen und dadurch Symptome entwickeln können.

Die Persönlichkeitsmerkmale, der Hochsensiblen sind sehr individuell und unterschiedlich ausgeprägt. Es gibt nie DAS Merkmal das auf alle zutrifft

  • Eindrücke werden mehr aufgenommen als andere in der gleichen Zeit
  • verarbeiten gründlicher
  • Sinneseindrücke sind stärker und differenzierter
  • Stimmungen und Gefühle anderer werden deutlicher wahrgenommen
  • denken in größeren Zusammenhängen
  • übersinnliche Wahrnehmung
  • druck-, hitze- und kälteempfindlich
  • Wetter und Ozon empfindsam
  • Behaglichkeitszone ist sehr eng (z.B.: störende kratzende Pullis, minimale Temperaturschwankungen)
  • erleben alle Gefühle sehr intensiv
  • Nebengeräusche sind schwer zu ertragen
  • großes Verantwortungsgefühl
  • können „uninteressante“ Sinneseindrücke schwer, bis gar nicht ausblenden
  • geruchsempfindlich
  • empfindsam gegenüber Klangfarben

Hochsensibilität ist keine Diagnose

Na was ist jetzt nun? Ist die Hochsensibilität jetzt eine Diagnose oder nicht?

NEIN! Weder im ICD10 noch im DSM-V findet man solch eine Diagnose.

Was? Moment … was ist eigentlich der ICD10 und DSM-IV?

Im ICD 10 und im DSM-IV werden Krankheiten und psychische Störungen beschrieben und je nach Symptomen einer Diagnose zugeordnet. Hierbei geht es nicht um die Beschreibung der Ursache, sondern um das Erscheinungsbild einer Erkrankung.

So … da die Hochsensibilität keine Diagnose darstellt, gibt es auch – zum Glück – keine Medikamente oder ähnliches, um sensiblere Menschen ärztlich oder psychiatrisch zu behandeln.

Keine Diagnose Hochsensibilität – trotzdem seelische und körperliche Probleme

Hochsensibilität: Keine Diagnose! Kein Medikament! Keinen Therapieplan!

Dennoch … viele Menschen ecken mit ihrer besonderen Persönlichkeit, mit der hochsensiblen Art, an. Sie werden von sich selbst und den anderen nicht immer verstanden. Sie vergleichen sich und merken recht schnell, dass sie einfach anders sind als die anderen.

Hochsensible Kinder werden überstimuliert. Die Gesellschaft sieht ihre empfindlicheren Grenzen nicht. Sie werden in Schubladen gesteckt, diagnostiziert, vielleicht sogar medikamentös behandelt, um das unerwünschte und scheinbar nicht passende Verhalten zu therapieren. Dabei sind sie vielleicht auch „nur“ überreizt und zeigen dies durch die unterschiedlichsten Verhaltensauffälligkeiten.

Der Wunsch dazuzugehören

Hypersensible wollen dazu gehören. Sie gehen häufig über ihre eigenen Grenzen oder fühlen sich genötigt dies zu tun. Sie gönnen sich nicht die Ruhe, die sie brauchen oder setzen nicht die für sie nötigen Prioritäten.

Das Gefühl von wertlos und unnormal zu sein ist präsent. Es können dadurch psychische Belastungen und körperliche Symptome auftreten, welche geheilt werden wollen.

Symptome Hochsensibler können heilen

Psychische Belastungen und körperliche Symptome können sich wandeln!

Lass los von gesellschaftlichen Dogmen. Lass los von Ideen, wie du zu sein hast!

Lerne deine einzigartige Persönlichkeit kennen. Lebe deine Hochsensibilität mit allen Facetten, die zu dir gehören. LIEBE und SCHÄTZE dich so wie DU bist!

Nehme dich bewusst wahr! Spüre, was dich überstimuliert. Setze für dich Grenzen und folge deiner Intuition!

Wenn du schon heute etwas mehr Achtsamkeit in deinen Alltag integrieren möchtest. Möchten wir dir unseren Blogartikel zu dem Thema „Ein paar Minuten für dein Gehirn – machbare Achtsamkeit im Alltag“ ans Herz legen.

 

Wir wünschen dir ganz viel Nähe und Liebe zu dir selbst und, nicht zu vergessen, viel Freude beim Entdecken deiner ganz individuellen Persönlichkeit.

Wenn du dabei unterstützt werden möchtest, kannst du dich gerne bei uns melden.

P.S.: Wenn du Lust hast, schreibe gerne einen Kommentar zu diesem Blogartikel. Wie geht es dir mit deiner Hochsensibilität? Wie geht es dir mit deinen Mitmenschen die hochsensibel sind und du nicht? Möchtest du zu diesem Thema noch mehr wissen? Wir freuen uns von dir zu lesen!

Quellen

Böttcher (hrsg.) Görlitz, Rex-Najuch et al. (2019) Fach Buch Hochsensibilität-Worauf es in der Begleitung Hochsensibler ankommt, Fischer & Gann, 2. Auflage 2019

Dilling, Freyberger (hrgs.) 2019, Taschenführer zur ICD-10 Klassifikation psychischer Störungen, Hogrefe Verlag GmbH und Co. Kg,9. Auflage

Epidemiologischer Suchtsurvey (ESA) 2018, https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/a/alkohol.html. Abruf 21.4.2022, 19:44 Uhr

Falkai, Wittchen (dt. hrsg.) Gaebl, Maier et al. (mit hrsg.) (2018) Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen DSM-V, Hogrefe Verlag GmbH und Co. Kg., 2. Auflage

Gerlinger, Holzhausen et al. (2018) Psychische Erkrankungen in Deutschland: Schwerpunkt Versorgung, https://www.dgppn.de/_Resources/Persistent/f80fb3f112b4eda48f6c5f3c68d23632a03ba599/DGPPN_Dossier%20web.pdf, Abruf, 21.04.2022, 14:25

Hammer/ Plößl (2015): Irre verständlich – Menschen mit psychischer Erkrankung wirksam unterstützen. Psychiatrie Verlag, 3. Auflage.. Abruf, 21.04.2022, 14:15

Jacobi et al. (2016). Erratum zu: Psychische Störungen in der Allgemeinbevölkerung. Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland und ihr Zusatzmodul „Psychische Gesundheit“ (DEGS1-MH). Nervenarzt, 87,88–90. https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/was-ist-eine-depression/haeufigkeit, Abruf 21.04.2022, 14:11 Uhr

Parlow (2015), zart besaitet – Selbstverständnis, Selbstachtung und Selbsthilfe für hochsensible Menschen, Festland Verlag e.U., Wien

Hey, wir sind Verena und Katja, die Gründerinnen von WunderSein.
Hier bloggen wir zu allen möglichen Themen aus Spiritualität, Coaching und Therapie.

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